Übersicht:
Augen: Mit
einem weichen, nassen Läppchen oder Tupfer (keine Watte) immer von
außen nach innen wischen. Oft funktioniert noch nicht das Selbstreinigungssystem
des Auges (enge Tränenkanälchen), so daß auch eitriges
Sekret in den Augenwinkeln auftreten kann - auch hier nur mit abgekochtem
Wasser reinigen, nicht mit Kamille oder anderen Medikamenten. Diese kann
der Arzt einsetzen, den man bei einer eitrigen Sekretbildung aufsuchen
sollte.
Nase: Nur äußerlich reinigen - Krusten können mit
Wasser oder Babyöl (Tupfer) entfernt werden. Man sollte aber nicht
mit Stieltupfer oder Zellstoff in den Nasengang hineingehen.
Ohren: Auch sie werden nur äußerlich gereinigt. Wichtig
ist auch das Reinigen hinter den Ohrmuscheln.
Nägel: Regelmäßig, aber sehr vorsichtig schneiden,
damit sich Ihr Baby nicht verletzen kann (Fußnägel gerade,
Fingernägel eher etwas rund schneiden).
Haare/Kopfhaut: Mit einer weichen Babybürste regelmäßig
über den Kopf streichen. "Babyschorf" können Sie mit
Öl etwas ablösen. Bei starken Krusten spielen oft Schimmelpilze
eine Rolle, die durch vom Kinderarzt verschriebene Salben oder Tinkturen
zu behandeln sind.
Hautpflege
Auch die Babyhaut
ist nicht nur eine schützende Hülle, sondern zugleich auch wichtiges
Sinnesorgan des Kindes. Über die Haut empfindet es Wärme und
Kälte. Sie erneuert ständig die Oberhaut, wächst und muß
doch immer elastisch bleiben. Die in ihr liegenden Talgdrüsen regulieren
ihren Fettgehalt und halten sie geschmeidig. Die Babyhaut ist einerseits
sehr zart und andererseits aber enormen Belastungen ausgesetzt: Harn,
Stuhl, Hauttalg, Milch- und Nahrungsreste, Erbrochenes, Schweiß,
aber auch Creme, Puder oder Stoffusseln sammeln sich auf der Haut, besonders
jedoch in den Hautfalten an. Deshalb sind eine regelmäßige
gründliche Reinigung und die anschließende babygerechte Pflege
der Haut für das Gedeihen Ihres Kindes so wichtig.
Zum Reinigen der Babyhaut verwenden Sie in erster Linie klares Wasser,
nur bei starker Verschmutzung kann eine einfache parfümfreie Babyseife
benutzt werden. Auf Badezusätze kann man verzichten; bei sehr trockener
Haut dem Badewasser etwas sauberes Öl (Oliven- und Sojaöl)
hinzufügen. Möchte man zur Hautpflege Cremes oder Salben einsetzen,
so sind einfache Basiscremes oder Salben (ohne Parfüm- und Konservierungsmittel)
oder im Windelbereich zinkhaltige Salben oder Pasten geeignet. Bei Hautentzündungen
wird der Kinderarzt Ihnen geeignete Salben verschreiben.
Impfen schützt vor Krankheiten
Schutzimpfungen werden
von den Schulmedizinern als die wichtigste Maßnahme angesehen, um
Kinder vor den Folgen schwerer Infektionskrankheiten zu schützen.
Es stehen heute hochwertige Impfstoffe zur Verfügung, die kaum Nebenwirkungen
haben. Hier hat es in den letzten zehn Jahren große Fortschritte
gegeben. Es gibt in Deutschland zentrale Impfempfehlungen, die von einer
Ständigen Impfkommission (STIKO) unter Wertung internationaler Forschungsergebnisse
erstellt werden. Diese Impfungen sollten unbedingt vorgenommen werden.
Während des 1. Lebensjahres wird gegen folgende Krankheiten bzw.
Erreger geimpft
(Hepatitis B, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung und
Hämophilus B-Infektion sowie Pneumokokken):
Diphtherie (D):
schwere, häufig tödliche Infektionskrankheit. Betroffen sind
u. a. Schleimhäute (Nase, Rachen, Kehlkopf ), Haut und Herz, die
durch ein Gift der Diphtherieerreger (Corynebakterien) schwer geschädigt
werden.
Pertussis (P):
Keuchhusten; auch bei dieser bakteriellen Erkrankung spielen
bakterielle Gifte der Keuchhustenerreger (Bordetella pertussis), die
eine krampfartige
Erstickungssituation hervorrufen, eine wesentliche Rolle.
Tetanus (T): Wundstarrkrampf;
schwere, meist tödliche Erkrankung mit
Tetanusbakterien, die Dauerformen bilden, die im Staub, Tierkot etc. längere
Zeit überleben und bei Verletzungen die Wunden infizieren.
Poliomyelitis (IPV):
Virusinfektion mit Befall des Rückenmarks, die zu Lähmungen
oder auch zum Tod des Patienten führen kann (Abkürzung IPV
steht für "inaktiviertes Poliomyelitis-Virus").
Hämophilus
influenza B (HiB): Häufigste Ursache bakterieller Meningitiden
(Hirnhautentzündungen) im Säuglings-und Kleinkindesalter,
aber auch Ursache schwerer Kehldeckelentzündungen im Kindesalter,
die zum Ersticken führen können.
Hepatitis B: Viruserkrankung
der Leber, die besonders bei Säuglingen häufig chronisch wird
und zur Leberzirrhose oder auch zu Leberkrebs führen kann.
Pneumokokken: verantwortlich für Lungen- und
Mittelohrentzündungen, Hirnhautentzündungen
Windpocken (Varizellen): sehr ansteckend, mit
juckenden Pickeln und Bläschen einhergehende Infektionskrankheit, die
in sehr seltenen Fällen auch sehr ernste Folgen haben kann (z. B.
Kleinhirnentzündung, Hautblutungen, schwere Formen der
Gürtelrose).
HPV 16/18 (human papillom virus): Viren, die durch
Intimkontakt übertragen werden und Jahre nach der Infektion bei
betroffenen Frauen zu Gebärmutterhalskrebs führen können.
Um einen Impfschutz
aufzubauen, sind im Abstand von 4 Wochen drei DPTHiB, im Abstand von ca.
8 Wochen zwei IPV-Impfungen sowie im Abstand von mindestens vier Wochen
zwei Hepatitis-B-Impfungen vorzunehmen. Wir bevorzugen Kombinationsimpfstoffe mit sechs Komponenten (Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus,
HiB, IPV und Hepatitis B), die 3x im Abstand von vier Wochen in den Oberschenkel injiziert werden (Erste Impfung nach der achten Lebenswoche).
Parallel wird mit Pneumokokkenimpfstoff immunisiert.
Am Ende des ersten Lebensjahres erfolgt die Virusschutzimpfung gegen
Masern, Mumps, Röteln, Windpocken. Im zweiten Lebensjahr (13.Monat)
werden die 6fach-Impfung (DPT-IPV-Hib-Hepatitis B) und die
Pneumokokkenimpfung aufgefrischt. Nach weiteren 4 Wochen folgen die 2.
Virusvierfachimpfung (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) sowie die
Impfung gegen Meningitis C.
Im 6. Lebensjahr wird der Impfschutz gegen Diphtherie, Keuchhusten und
Wundstarrkrampf aufgefrischt. Diese Impfung wird mit ca. 11 Jahren
wiederholt. Mädchen werden in der Pubertät (möglichst vor den ersten
Intimkontakten ) gegen HPV (human papillom virus) geimpft (3 Impfungen im
Abstand von 2 und dann 4 Monaten).
Obwohl Impfstoffe sehr teuer sind, zahlen die Kassen diese Impfungen (die
verhinderten Erkrankungen würden ein Vielfaches an Kosten verursachen).
Die Impfungen werden in einem internationalen Impfausweis dokumentiert.
Auf der Rückseite des Ausweises ist der aktuelle Impfplan (Empfehlungen
der STIKO) aufgedruckt.
Rachitis-Prophylaxe
Ihr Kind sollte während der ersten zwei Lebensjahre täglich Vitamin-D-Fluortabletten einnehmen. Der Vitamin-D-Gehalt dieser Tabletten sollte bei 500 Einheiten liegen. Bei zu hoher Dosierung können Verkalkungen im Bereich der Nieren, bei zu niedriger oder fehlender Vitamin-D-Gabe Knochenerweichung, die sogenannte "Englische Krankheit", Rachitis, auftreten.
Vorsorgeuntersuchung im Säuglingsalter
Vorsorgeuntersuchungen
finden unmittelbar nach der Geburt (U1), bei der Entlassung aus der
Entbindungsklinik (U2) im Alter von 5 Tagen und später ca. 4 Wochen nach
der Geburt (U3) statt. Zu dieser Untersuchung (U3) gehören auch die Hüftultraschalluntersuchung
und die Untersuchung des Hörvermögens (Echocheck).
Im Alter von 3 Monaten wird die Vorsorgeuntersuchung (U4) durchgeführt
(Beispiel unten). Im Alter von 6 Monaten findet die U 5 und im Alter von
11 Monaten die „Abschlussuntersuchung des Säuglingsalters“ (U6)
statt.
Die Vorsorgeuntersuchungen bieten Gelegenheit, alle Fragen zu stellen, die
die Familie im Zusammenhang mit der Entwicklung, Gesundheit und Zukunft
des Kindes hat.
Weitere Vorsorgeuntersuchungen finden im Alter von fast 2 Jahren (U7),
fast 4 Jahren (U8) sowie mit 5 Jahren (U9) statt. Alle diese
Untersuchungen sind zeitaufwendig und müssen deshalb geplant werden
(rechtzeitige Anmeldung erforderlich). Im Jugendalter (13. -15.
Geburtstag) findet noch eine umfangreiche Untersuchung und Beratung (J1)
satt.
Vorsorgeuntersuchung U 4
Sie findet in der
Regel nach dem ersten Lebensvierteljahr des Kindes statt. Nachdem die
ersten Wochen der Anpassung des Kindes an das Leben außerhalb des
Mutterleibes vollzogen wurden, kann jetzt geprüft werden, welche
Eigenleistungen das Kind schon bringt (z. B. reaktives Lächeln, Zusammenführen
der Hände in der Mittellinie), wie sein Muskeltonus beschaffen ist und seine
Bewegungsbereitschaft. Es wird geprüft, ob es Asymmetrien in Muskelspannung,
Bewegungen und Reflexauslösbarkeit gibt, ob Hinweise auf Erkrankungen
oder Störungen des Nervensystems, des Muskelsystems, des Stoffwechsels
bestehen.
So wird auch geprüft, inwieweit das Kind den Kopf im Sitzen und in
der Bauchlage kontrolliert. Beobachtet werden die Sinnesorgane (Augen,
Ohren, Sensibilität). Untersucht wird das Gedeihen, beantwortet werden
auch die Fragen der Eltern.
Natürlich erfolgt wieder eine sorgfältige Untersuchung, zu der
nicht nur die Prüfung von Herz, Lunge, Bauchorganen, von Mund, Rachen,
Ohren, Nase, sondern auch der Pulse in der Leistenbeuge, die Inspektion
des äußeren Urogenitalbereichs und des Darmausgangs gehört.
Somit wird eine sorgfältige Kontrolle des Istzustandes und der Entwicklung
des körperlichen und geistigen Gedeihens vorgenommen. Nutzen Sie
die Möglichkeit, Fragen zu stellen!
Zum Zeitpunkt des U 4-Termins erfolgen Impfungen entsprechend dem Impfplan
der STIKO. In den ersten Monaten ist die Gewichtszunahme des Kindes ein
wichtiges Gedeihkriterium. Wichtig sind auch die Entwicklung des Kopfumfangs
und natürlich die Längenentwicklung.
Unfälle bei Kleinkindern vermeiden
Unfälle lassen sich vermeiden:
Heiße Flüssigkeiten in Tassen, Kannen oder Töpfen nicht in Reichweite des Kindes stellen.
Tischdecken gehören nicht auf einen Tisch, an dem kleine Kinder sitzen.
Die Herdplatten sind vor Kinderhänden zu schützen.
Mit Hilfe einer Kaffeemaschine zubereiteter Kaffee ist wesentlich kühler als frisch gebrühter Kaffee und somit ungefährlicher.
Kinderbett nicht an den Ofen stellen, damit herabhängende Decken sich nicht an der heißen Ofentür entzünden können.
Steckdosen mit Kinderschutz versehen, damit das krabbelnde Kind nicht hinein greifen kann.
Kind im Laufgitter lassen, wenn Sie aus dem Raum gehen.
Treppen im Haus mit einem Schutzgitter absichern, damit das Kind nicht hinabstürzen kann.
Keine Gehhilfe
(Gehfrei) benutzen. Diese Sitze sind gefährlich (vor allem schwere
Treppen- und Stufenstürze), das Kind lernt schlechter laufen und
setzt primär die Zehenspitzen, nicht den Hinterfuß auf.